Miteinander reden - Zuhören resp. Hinhören



Mögen Sie gerne einen Moment lesend zuhören? Richtiges, gutes Zuhören ist nämlich einer der wichtigsten Schlüssel für ein besseres Miteinander.


Kennen Sie das Gefühl, dass Sie von anderen nicht gehört werden? Wie berührt es Sie, wenn Ihre Ansprechperson sie gar nicht anblickt, in Unterlagen forscht, oder ganz einfach den Blick umherschweifen lässt, während sie reden? Ihr Zuhörer oder Ihre Zuhörerin die Stirn runzelt, oder für Sie unangemessen bei einer bestimmten Bemerkung lächelt während Sie reden?


Sie spüren richtig: Ihr Gegenüber hört Ihnen nicht richtig zu. Für mich bezeichnet das gebräuchliche Wort «Zuhören» schon ziemlich genau, was wir als Zuhörer oder Zuhörerin meistens tun. Wir machen oft einfach ZU. Wenn Sie zu-hören, sind Sie statt beim Gegenüber, in Ihrer eigenen Gedankenwelt, oder sind dabei zu überlegen, was Sie nun wie auf eine Bemerkung antworten wollen. Oder Sie sind empört über das was der andere sagt und bereiten sich innerlich auf Ihre Kampfesrede vor. Oder aber, Sie sind von dem was der andere redet so gelangweilt, dass sie in Gedanken ganz anderen Dingen nachhängen.


Das richtige Zuhören, oder sinnvoller, Hin-hören, bedeutet, sich dem anderen zu zuwenden und zu lauschen, was er oder sie mir sagen will. Dies erfordert vor allem zwei Werte:


Wertschätzung und Disziplin


Wertschätzung, dass was immer der oder die andere jetzt sagt, wichtig ist und Sie ihm oder ihr deshalb Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Es erfordert Disziplin, sich von Ihren eigenen Gedanken, Gefühlen oder Urteilen nicht ablenken zu lassen, sondern einfach nur achtsam zu lauschen. Ihre Gefühle, Ihre Meinung oder Ihre Erfahrungen sind in dem Moment des Hinhörens (noch) nicht wichtig. Gerade wenn es um heikle Themen geht, bei denen Sie eine andere Meinung vertreten, ist also Ihre Disziplin besonders gefordert.


Unsere Welt braucht ganz viele aufmerksame Hinhörer oder Hinhörerinnen. Gerade jetzt. Wenn ich Ihnen lausche und Sie spüren meine ganze Aufmerksamkeit, dann fühlen Sie sich «gesehen» und somit geschätzt. Hinhören baut Brücken. Hinhören lässt Probleme manchmal sogar verschwinden. Hinhören hilft verstehen und lässt uns einander besser unterstützen. Das Wundervolle dabei ist, dass dies geschehen kann, auch wenn wir nicht unbedingt der gleichen Meinung sind.


Eine Geschichte aus Michael Endes «Momo» mag ich schon seit vielen Jahren ganz besonders, weil sie die Magie des Zuhörens so wundervoll beschreibt:


«Was die kleine Momo konnte wie kein andere, das war: Zuhören. Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, Zuhören kann doch jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig.


Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte, nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie im ihm stecken. Sie konnte so zuhören, dass ratlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst sei nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf den es überhaupt nicht ankommt und der ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf und er ging hin und erzählte alles das der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte. Dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war.


So konnte Momo zuhören».


So gut zuhören können Sie und ich auch. Wir brauchen nur zu üben. Ich wünsche mir dies für alle unsere Beziehungen. Zuhause, am Arbeitsplatz, unter Freunden, in Partnerschaft. Damit tragen Sie und ich wesentlich dazu bei, dass diese Welt besser wird. Eine Welt, in der viel weniger verurteilt wird. Eine Welt, in der jeder auf seine besondere Weise wichtig ist und sich so fühlt.


Ich wünsche Ihnen viele schöne Momente beim Zuhören. Wenn Sie selbst mal jemanden brauchen, der Ihnen besonders gut zuhören will, dann schreiben Sie mir doch einfach.



Herzliche Grüsse

Regula Müller im Februar 2021




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